Finanz-Ampel ist zu kurz gedacht!

Kommentar DerWissensWert zum Artikel in

proContra „BaFin-Chefin fordert Finanz-Ampel“

 

Der von Frau König geforderte Schutz für Anleger ist sicher sinnvoll und weist meines Erachtens auf bisherige Versäumnisse des Gesetzgebers und der Aufsichtsbehörden hin. Im Fall Prokon kann nun aber nicht auf die sonst oft gescholtenen Vermittler verwiesen werden, da diese die Genussrechte gar nicht vertrieben haben.

 

Deshalb scheint es aus Sicht des Anlegerschutzes nur sinnvoll zu sein, eine einfache Kennzeichnungspflicht für Finanzprodukte mittels einer Ampeleinteilung zu fordern, oder? Auf den ersten Blick ist dies ja auch ganz einfach: Festgeld grün, (Staats-)Anleihen gelb und Unternehmensbeteiligungen rot, oder?

Wie schwierig es werden wird, die Grenzen zu ziehen, wird deutlich, wenn man den Überbegriffen konkrete Anlagen zuordnet: z. B. Festgeld – Kaupthing Bank, (Staats-)Anleihe – Griechenland und Unternehmensbeteiligung – DAX-30-Index.

 

Im Fall der in die Insolvenz gegangenen Kaupthing Bank  wurden die Kundenkonten von heute auf morgen eingefroren und es trat der Entschädigungsfall für die isländische Einlagensicherung ein. Es folgte ein langwieriges Verfahren ob und wieviel Geld die Anleger wieder erhalten würden. Link zu Wikipedia-Artikel

 

Der Fall Griechenland ist den meisten Menschen noch präsenter. Hier kam es zu einem Schuldenschnitt zugunsten des griechischen Staates, den die Anleger der entsprechenden Staatsanleihen in Form von Verlusten erlitten.

 

Beide Fälle stehen im Zusammenhang mit der Finanzkrise, deren Auswirkungen 2008 an den Finanzmärkten deutlich wurden. Im selben Zeitfenster schwankten auch die Börsenkurse weltweit sehr stark. Und trotzdem liegt der Wert des nach der einfachen Ampel-Systematik „rot“ gekennzeichneten Investments in den DAX-30-Index höher als Ende 2007. Link zu Onvista-Chart

 

Sind aufgrund dieser Beispiele Festgeld und Anleihen schlechte und Aktien gute Anlagen?

Hierauf gibt es eben keine allgemeinverbindliche und immer gültige Antwort. Darüber hinaus sind die bewusst gewählten Beispiele Kaupthing und Griechenland Extremfälle. Sie zeigen aber, wie schwer eine einfache Katalogisierung ist.

 

Die allgemein verwendeten Risikodefinitionen und die geforderte Schubladeneinteilung mittels Ampelsystem übersehen i. d. R., dass jeder Mensch „Risiko“ für sich  anders – eben individuell - definiert.

Jeder Mensch hat seine eigene finanzielle Risikobereitschaft. Studien belegen übrigens, dass die durchschnittliche Risikobereitschaft von Finanzanlagenvermittlern und –beratern höher ist, als die durchschnittliche Risikobereitschaft der Gesamtbevölkerung. Aus meiner Beobachtung heraus eine gefährliche Basis miteinander über finanzielle Risikobereitschaft zu sprechen.

 

Die üblichen Beratungsbögen nach WpHG bieten hierfür weder dem Berater noch dem Anleger eine echte Hilfestellung, sondern erfüllen nur den Zweck, dem Gesetz Rechnung zu tragen.

 

Dabei gibt es seit Jahren vieltausendfach erprobte und bewährte Tests, die finanzielle Risikobereitschaft zu messen. Damit kommen Anleger und Berater dann zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und treffen bessere Finanzentscheidungen – auch ohne ein Ampel, die vielleicht nur ein Irrlicht ist. Hier kommen Sie zu weiteren Informationen zum Thema Risikobereitschaft. Link Infos Risikobereitschaft